Triathlon

Bericht vom Austria eXtrem Triathlon
02.07.2018

oli.jpgIrgendwie wollte ich doch noch mal bei einer Langdistanz starten. Allerdings sollte es etwas Besonderes sein und keine der aufgeregten Veranstaltungen von Ironman oder Challenge. Weniger Teilnehmer, weniger Tamm-Tamm dafür aber möglichst viel Natur, Berge und vielleicht ein klitzekleines bisschen Abenteuer.
Nach einigem Suchen fiel die Wahl auf den Austria Extrem Triathlon. Von der Beschreibung her entsprachen die Distanzen mit 3,9/186/44 fast einer klassischen Langdistanz.
Geschwommen wurde in der Mur bei Graz. Die Radstrecke ging über drei kleinere Berge mit insgesamt ca. 3800 Höhenmetern und die Laufstrecke verlief über Wald- und Bergtrails zur Talstation der Dachsteinseilbahn auf ca. 2000 Meter Höhe.
Da es sich bei der Radstrecke nicht um einen Rundkurs sondern um eine A->B Strecke handelte und Selbstverpflegung angesagt war, kamen der vom Veranstalter vorgeschriebenen Begleitperson mehrere extrem wichtige Rollen zu: Auf- und Abbau der Wechselzonen T1 und T2, Fahren des Betreuerfahrzeugs, Bereitstellen der Verpflegung an den abgesprochenen Stellen und – als allerwichtigste Aufgabe – die vorgeschriebene Begleitung des Athleten ab Laufkilometer 27 bis zum Ziel. An diese Stelle ein dickes Dankeschön an Nicole, die diese Aufgabe hervorragend gemeistert hat!
Der Wettkampftag begann um 03:00 mit dem Check-In in T1 und der Ausgabe der GPS Sender. Hierdurch waren die Betreuer immer über die genaue Position der Athleten informiert. Die Wechselzone war schnell vorbereitet und mit Neo, Neo-Badekappe und Neo-Füßlingen bewaffnet ging es zum Schwimmstart.
Pünktlich um 04:30 startete das Rennen für die knapp 75 von ursprünglich 200 Athleten. Die Anderen hatten bereits vorher die Segel gestrichen. Noch im Startbereich waren Diskussionen zwischen Athleten und Betreuern zu hören, ob man starten soll oder nicht. Offensichtlich bereitete die Mur mit der Strömungsgeschwindigkeit von 0,5 m/s und der erfrischenden Wassertemperatur von 14°C vielen Athleten arge Bauchschmerzen.
Der Schwimmstart war undramatisch. Kein Kanonendonner, keine Hells Bells Musik sondern nur ein „Los“ vom Rennleiter. Die ersten 150m bis zur 1. Wendeboje mussten gegen den Strom und relativ weit in Strommitte geschwommen werden. Nach den ersten 20 Zügen im meinem ‚üblichen‘ Langdistanztempo stellte ich fest, dass ich mich fast noch an derselben Stelle befand. Mist, jetzt hieß es Volldampf voraus!!!
Die 1. Wendeboje kam trotzdem nur quälend langsam näher und die Arme wurden mit jedem Armzug müder und mein Gesicht entsprechend länger. Das kann ja gleich heiter werden!
Nach 6 Minuten war dieser Abschnitt geschafft und nun ging es 2000m Stromabwärts. In dieser Zeit überdachte ich die Strategie für das Anschwimmen der 2. Wendeboje und der darauffolgenden 1700m, welche wieder Stromaufwärts geschwommen werden mussten. Vorfreude pur 😉
Als die 2. Wendeboje sichtbar wurde, schwamm ich im spitzen Winkel darauf zu, kam mit sehr wenig Abtrieb rum und schwamm dann, quer zur Strömung, zur 3. Wendeboje auf der anderen Flussseite. Die Abdrift in Flussmitte war brutal und wieder vergingen endlos erscheinende Minuten, bis die Boje auf der anderen Flussseite erreicht wurde.
Doch mit jedem Meter, dem man sich dem Ufer näherte, wurde die Strömung merklich geringer und darum ging es direkt nach der 3. Wendeboje so nah wie möglich an das Ufer. Dadurch konnte der Einfluss der Strömung deutlich reduziert werden und die letzten 1700m sind nicht zur totalen Tortur ausgeartet. Teilweise bin ich soweit am Ufer geschwommen, dass mich Rudi erkennen konnte und mich aus dem Wasser „retten“ wollte.
Nicole hat später noch von einigen turbulenten Szenen am Schwimmstart berichtet. U.a. von einer chinesischen Starterin welche mutig in die Fluten sprang und deren vorrangige und vermutlich ausschließliche Technik das Brustschwimmen war. Nach einigen Zügen im Wasser wurde dieser jedoch panikartig klar, dass dieses Unterfangen in Anbetracht der Gegenströmung vollkommen hoffnungslos war und Sie begann „….Help!“ „….Help !!“ „….Help !!!“ Rufe von sich zu geben und mit einem Arm zu winken. Dadurch wiederum wurde Ihr „Vortrieb“ auf 0 reduziert und der Fluss begann die Dame mit unerbittlichen 0,5 m/s in Richtung Graz zu spülen. Dank der aufmerksamen Rettungskräfte blieb der Starterin diese „Reise“ jedoch erspart.
Der Wechsel auf‘s Rad war unproblematisch und – in Anbetracht der noch zu erwartenden Rennzeit – absolut ohne Hektik. Erfreulich war für mich, dass in der T1 noch sehr viele Räder standen und ich dementsprechend mit einer guten Schwimmzeit aus dem Wasser gekommen war.
Die Streckenführung bis zum ersten Pass war zwar wellig, konnte aber locker gefahren werden. Etwas gewöhnungsbedürftig war jedoch die Tatsache, dass die Strecke nicht für den normalen Verkehr gesperrt war und die STVO nicht aufgehoben war. Dementsprechend musste man an roten Ampeln brav anhalten, was für mich eine vollkommen neue Rennerfahrung bedeutete.
In der Reihenfolge ging es über Gaberl, Hohetauern, Oppenberg zum Sölkpass. Dieser konnte jaber nicht bis zur Kuppe befahren werden, weshalb der Veranstalter die Strecke auf 210 km verlängerte. Jeweils an den Pässen haben Nicole und Rudi mit der Verpflegung gewartet und sich „einen kurzen Bericht zur Lage der Nation“ geben lassen. Insgesamt waren alle Steigungen mit der von mir gewählten Übersetzung 50/36 12-30 fahrbar. Bei den extremeren Steigungen, bei denen längere Zeit >12% bis 19% Steigung auf dem Garmin angezeigt wurden, hätte ich mir jedoch noch zwei kleinere Gänge gewünscht, um nicht so weit und so lange aus meinem Ausdauerbereich zu kommen.
Die letzten 20 km waren weitestgehend flach zu fahren und sollten für etwas „Entspannung“ vor dem anstehenden Lauf sorgen. Doch hier machte der Wettergott einen Strich durch den Plan aller Athleten. Statt Entspannung stand plötzlich ein zermürbender Kampf mit massivem und böigem Gegenwind auf dem Plan aller Athleten. 75 Minuten vor der Cut-Off Zeit habe ich denn – leicht angeschlagen – die T2 Wechselzone an der Sölksperre erreicht. Das angestrebte und eigentlich dringest benötigte „Zeitpolster“ für den folgenden Lauf war leider Opfer des Gegenwindes geworden und so begannen die Cut-Off-Zeiten der Laufstrecke bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zu drücken.
Geplant war bis zum Checkpoint Aich bei Kilometer 17 zu laufen, da auf diesem Streckenabschnitt nur wenig Höhenmeter zu bewältigen waren. Danach wollte ich auf Gassigehen, sorry, „Speed-Hiking“ umstellen und die verbleibenden Kilometer flott gehen. Aber wie heißt es so schön: „Willst Du Gott zum Lachen bringen, dann mache einen Plan“.
Um 15:54 begann der Kampf gegen die Cut-Off Zeiten. Aufgrund der Streckenverlängerung hatte der Veranstalter alle Cut-Off Zeiten um 30 Minuten nach hinten geschoben. Ab Sölksperre gingen die ersten Kilometer leicht wellig über Schottertrails und Waldwiesen. Aber schon nach 10 km war die Luft raus. Daher wurde der CP Aich erst um 18:32 und damit nur noch 58 Minuten vor dem Cut-Off erreicht. Für die nächsten 10 km mit deutlich mehr Höhenmetern hatte ich jetzt nur noch 2 Stunden Zeit. Das wird knapp, extrem knapp!
Damit Nicole auf jeden Fall noch zu Ihrem Laufeinsatz kommt, wurde auf dem Weg zum Checkpoint Silberkarklamm immer wieder eine Besonderheit auf dem Weg ausgesucht und bis dahin wurde gelaufen. Ein Zaun, ein Schild, eine Bank, etc. wurden dadurch zu herausfordernden Nahzielen, die im Schweinsgalopp erlaufen wurden und danach waren wieder einige Meter Speed-Hiking angesagt. Unterwegs begegnete ich dem Team von Christof Werner aus Österreich und gemeinsam konnten wir uns auf der Strecke zum Durchhalten motivieren. Und tatsächlich konnten wir den CP um 20:17 und damit 13 Minuten von Cut-Off erreichen.
Mit Nicole als frischer Begleiterin ging es dann auf zur Glös-Alm. Hier drückte – wie konnte es anders sein – erneut die nächste Cut-Off Zeit. Jetzt galt es knapp 13 km und knapp 500hm in 2 1/4 Stunden zu bewältigen. Und dank des kontinuierlichen Antreibens von Nicole standen wir um 22:39 Uhr und damit 6 Minuten von Cut-Off am Checkpoint.
Von hieraus ging es dann auf zur Südwandhütte, die in ca. 3 km Entfernung und fast 400 Meter höher zu sehen war. Inzwischen war es finstere Nacht und die Athleten und deren Begleiter folgten mit Ihren Stirnlampen den grünen Leuchtweisern, mit denen die Strecke auf dem inzwischen sehr felsigen und steilen Trail markiert worden war. Zu allem Überfluss setzte jetzt auch noch leichter Nieselregen ein und machte den Trail rutschig und glatt. Wie eine Kette Leuchtwürmer zog sich die Athletenspur hinauf zur Südwandhütte. Dort angekommen war das ersehnte Ziel bereits in Sichtweite. Doch noch galt es die verbleibenden 1,5 km zu bewältigen, bei denen zwei Schneefelder und ein sperriges Geröllfeld überwunden werden mussten. Und dann, nach 19 Stunden und 23 Minuten und damit 45 Minuten vor dem offiziellen Zielschluß, war für uns der große Augenblick gekommen. Für jeden Athleten und dessen Betreuer wurde das Zielband neu gespannt und jeder der die Ziellinie querte hatte ein klitzekleines bisschen das Gefühl als erster das Ziel erreicht zu haben. Jippiiiihhhh!
In der Nachbetrachtung war das wirklich eine saucoole Veranstaltung mit einer tollen, herausfordernden Strecke und viel, sehr viel Natur. Wir haben sowohl bei den Athleten als auch bei den Betreuern viele nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt und auch bei der Koordination und Durchführung durch den Veranstalter gab es nicht wirklich etwas zu meckern. Daher kann ich den Austria eXtrem Triathlon mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

(Bericht: Oliver Birnbaum)

(Guido Pesch)

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